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Samstag, 25. Januar 2014

Rezension: Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe

Titel:
Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe

Autor:
Benjamin Alire Sáenz

Verlag:
Simon & Schuster

Seitenzahl:
359

Preis:
13,10€

Aristotle is an angry teen with a brother in prison. Dante is a know-it-all who has an unusual way of looking at the world. When the two meet at the swimming pool, they seem to have nothing in common. But as the loners start spending time together, they discover that they share a special friendship—the kind that changes lives and lasts a lifetime. And it is through this friendship that Ari and Dante will learn the most important truths about themselves and the kind of people they want to be.





"Do you think it will always be this way?"
"What?"
"I mean, when do we ever start feeling like the world belongs to us?"
I wanted to tell him that the world would never belong to us. "I don't know," I said. "Tomorrow."
~Seite 88

I wanted to tell them that I'd never had a friend, not ever, not a real one. Until Dante. 
I wanted to tell them that I never knew that people like Dante existed in the world, people who looked at the stars, and knew the mysteries of water, and knew enough to know that birds belonged to the heavens and weren't meant to be shot down from their graceful flights by mean and stupid boys. 
I wanted to tell them that he had changed my life and that I would never be the same, not ever. And that somehow it felt like it was Dante who had saved my life and not the other way around. 
I wanted to tell them that he was the first human being aside from my mother who had ever made me want to talk about the things that scared me. 
I wanted to tell them so many things and yet I didn't have the words. So I just stupidly repeated myself. "Dante's my friend."

Ich sollte gleich zu Beginn sagen, dass dieses Buch wahrscheinlich das beste Buch ist, was ich letztes Jahr gelesen habe. Es ist auf jeden Fall eines meiner neuen Lieblingsbücher und steht direkt unter 'The Fault in our Stars' auf meiner Liste der besten Contemporarys, die ich je gelesen habe.
In der gleichen Sekunde, in der ich den letzten Satz von Aristotle and Dante beendet habe, wollte ich das Buch noch einmal von vorne anfangen und es geht mir immer noch so, dass ich es am liebsten rereaden würde, wenn ich nur an das Buch denke.
'Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe' ist ein Meisterwerk von einem Buch und man merkt gar nicht wie fantastisch es ist, bevor man es nicht beendet hat.

Aristotle and Dante hat nicht direkt eine richtige Handlung, es ist nicht so, dass man eine bestimmten Handlungsbogen verfolgt. Vielmehr sieht man das Leben von Ari und wie Dante seine Sicht auf die Welt ändert. Es geht um deren Freundschaft und die Familien, Aris Sehnsucht nach seinem Bruder, Liebe - einfach das Leben eines Teenagers. 
Ich liebe den Ton, die ganze Atmosphäre, des Buches. Ari hat diese Phasen in denen er fast depressiv wirkt und genauso ist auch das Buch vom Unterton her - schwer und traurig. aber gleichzeitig ist es so witzig und leicht und hat mich während des Lesens einfach glücklich gemacht. 
Es ist die perfekte Kombination aus nachdenklich und unterhaltsam. Man liest einfach immer weiter, nicht weil es actionreich ist, sondern weil es so interessant und schön ist.

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass ich bei dem einen oder anderen Buch mal anfange zu weinen oder mir Tränen kommen, aber normalerweise ist das dann meistens an ein festes Ereignis gebunden. Bei diesem Buch bin ich bei den einfachsten, simpelsten Stellen in Tränen ausgebrochen - mal vor Glück, mal vor Rührung, mal weil es traurig war.

Ari und Dante sind sehr unterschiedliche Charaktere, aber beide haben Probleme, richtige Freunde zu finden. Letztendlich ist es das, was die beiden zu Freunden macht. 
Ari ist ein unsicherer Teenager, der aber auch diese Wut und Angst in sich drin hat. Alles in allem wirkt er sehr normal, wie aus dem richtigen Leben gegriffen. Wenn er Dante trifft hat er das erste Mal einen richtigen Freund und man merkt, wie ihn das verändert. Allerdings ändert er sich auch noch einmal, wenn er von Dante getrennt ist...es gibt so viel Charakterentwicklung in diesem Buch.
Dante dagegen ist nach außen ein Sonnenschein - sehr offen und freundlich und witzig. Er bringt in gewisser Weise das Gute in Ari raus, aber das klingt so, als wäre Ari hoffnungslos depressiv oder ein schlechter Mensch. Es ist aber vielmehr so, dass Dante Ari glücklicher zu machen scheint. Die beiden machen einander zu fröhlicheren Menschen.
Es ist seltsam, dass so etwas Normales wie eine Freundschaft gleichzeitig so inspirierend sein kann, aber Ari und Dantes Freundschaft ist so. Selbst als die beiden scheinbar nichts mehr miteinander zu tun haben, lassen sie doch nie ganz voneinander los.

Etwas anderen was ich an dem Buch liebe ist der Schreibstil. Er ist so natürlich, als würde mir jemand die Geschichte erzählen, anstatt sie aufzuschreiben. Und die Art, wie Benjamin Alire Sáenz Dialoge schreibt - ich liebe es einfach! Es ist so simpel und trotzdem ausdrucksstark, manche Sätze aus dem Buch bleiben automatisch im Kopf hängen, nur weil sie so schön geschrieben sind.

Ich habe das Gefühl, dass ich mit nichts, was ich schreibe, dem Buch gerecht werden würde oder könnte. Es ist einfach so besonders und wertvoll und ich möchte nur, dass jeder daraus genauso viel Glück und Stärke und Bedeutung ziehen kann wie ich.





'Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe' ist so ein schönes, kleines, perfektes Buch. Man liest es durch wie nichts, weil man so in das Leben der Charaktere eintaucht. Benjamin Alire Sáenz schreibt wunderschön und ich kann und möchte dieses Buch einfach nur weiter empfehlen. Ich bin mir sicher, dass man es gar nicht bereuen kann, Aristotle and Dante gelesen zu haben.

Sonntag, 3. November 2013

Rezension: Divergent

Titel:
Die Bestimmung

Autor:
Veronica Roth

Verlag:
cbt

Seitenzahl:
480

Preis:
17,99€



Altruan – die Selbstlosen. Candor – die Freimütigen. Ken – die Wissenden. Amite – die Friedfertigen. Und schließlich Ferox – die Furchtlosen …
Fünf Fraktionen, fünf völlig verschiedene Lebensformen sind es, zwischen denen Beatrice, wie alle Sechzehnjährigen ihrer Welt, wählen muss. Ihre Entscheidung wird ihr gesamtes künftiges Leben bestimmen, denn die Fraktion, der sie sich anschließt, gilt fortan als ihre Familie.
Doch der Eignungstest, der über Beatrices innere Bestimmung Auskunft geben soll, zeigt kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte, sie trägt mehrere widerstreitende Begabungen in sich. Damit gilt sie als Gefahr für die Gemeinschaft.
Beatrice entscheidet sich, ihre bisherige Fraktion, die Altruan, zu verlassen, und schließt sich den wagemutigen Ferox an. Dort aber gerät sie ins Zentrum eines Konflikts, der nicht nur ihr Leben, sondern auch das all derer, die sie liebt, bedroht…
Das Cover ist so unglaublich passend und schön gleichzeitig. Ich könnte mir wirklich kein besseres für das Buch vorstellen. Ich bin auch echt froh, dass cbt das Design soweit übernommen hat.
Der Titel 'Die Bestimmung' ist auch ziemlich gut gewählt, weil man Divergent einfach nicht gut genug übersetzen kann, damit es als Titel auch nicht albern klingen würde.


Es ist jetzt das zweite Mal, dass ich Divergent gelesen habe und ich bin so froh, dass ich dem Buch 'noch eine Chance' gegeben habe. Nicht. dass ich Die Bestimmung nicht mochte, aber beim zweiten Lesen, fand ich das Buch noch viel besser und eindrücklicher.

Diese Welt die Veronica Roth schafft ist vollkommen einzigartig. Es war das erste Mal, dass ich eine Dystopie gelesen habe, bei der das System an sich nicht wirklich das Problem war, bzw. nicht so unmenschlich war, wie in anderen Büchern. Die Idee mit den 5 Fraktionen, der sich jeder zuordnen muss, es ist einfach anders - keine Diktatur, kein böser Mensch der zu viel Macht will. Stattdessen geht es wirklich darum, was das Beste für die Bevölkerung ist.
Verwunderlich ist natürlich schon, dass man nie erfährt, wie es außerhalb der Grenzen aussieht. Man sieht nur eine Stadt und hat keine Ahnung, wie es im Rest der Welt.

Tris ist eine wunderbare Protagonistin. Das Wort 'stark' zu benutzen um sie zu beschrieben, ist wirklich angebracht. Nicht nur körperlich sondern auch geistig ist sie stark wie kaum eine andere weibliche Protagonistin die ich kenne. Dass im Zusammenhang damit auch Eigenschaften wie Sturheit oder überstürztes Handeln entstehen stört mich persönlich nicht, denn das gehört einfach dazu.
Auch entwickelt sie sich im Laufe des Buches von dem unscheinbaren Mädchen aus Abnegation zu einer wirklich mutigen jungen Frau, ohne allerdings ihre Selbstlosigkeit zu verlieren.

Neben Tris gibt es aber noch so viele andere Protagonisten, die mir ans Herz gewachsen sind und die alle sehr gut von Veronica Roth ausgearbeitet wurden: Will, Christina, Tori...
Ebenso wie Personen, die ich überhaupt nicht mochte, wie Eric, Peter oder Jeanine.

Eine Person sollte man allerdings nicht vergessen und das ist natürlich Four! Wie ich ihn liebe.
Four ist ein einziges Geheimnis für Tris, aber ich kann verstehen, warum sie sich von ihm angezogen fühlt. Ich denke, das kann jeder.
Als er sich Tris gegenüber allerdings öffnet wird aus ihm mehr als nur dieser kalte, harte Trainer und man sieht weichere und verletzlichere Seiten an ihm.

Ich mochte es sehr, dass in dem Buch so viele moralische Fragen gestellt werden. Es geht viel darum, ob man auch mutig sein kann, wenn man selbstlos ist. In wieweit sich solche Eigenschaften ausschließen oder eben nicht. Ist es mutiger mich demütigen zu lassen oder zu rebellieren? Ist es besser sich gegen Ungerechtigkeit einzusetzen und an andere zu denken oder an mich?
Mit Divergent hat Veronica Roth ein Buch geschrieben, was eine, im Gedächtnis bleibt. Die Welt ist so neu für eine Dystopie und die Charaktere sind gut geschrieben und stark. Ich kann das Buch nur weiter empfehlen, weil es so einfach zu lesen und voll von Action und Spannung ist. Zudem hat es mich wirklich zum Nachdenken gebracht und es wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich Divergent gelesen habe.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Rezension: Glitches & The Queens Army



Titel:
-Glitches
-The Queen's Army

Autor:
Marissa Meyer

Seitenzahl:
- 32 Seiten
- 29 Seiten


Glitches:

Cinder, a gifted mechanic, is a cyborg. She’s a second-class citizen with a mysterious past, reviled by her stepmother and blamed for her stepsister’s illness. In Glitches, a short prequel story to Cinder, we see the results of that illness play out, and the emotional toll that takes on Cinder. Something that may, or may not, be a glitch...


The Queen's Army:

It is time. The boy must leave his family to serve in the Queen's army. To be chosen is an honor. To decline is impossible. The boy is modified. He is trained for several years, and learns to fight to the death. He proves to the Queen—and to himself—that he is capable of evil. He is just the kind of soldier the Queen wants: the alpha of his pack. 
Ihr wisst sicherlich, wie sehr ich die Bücher von Marissa Meyer verehre, also ist es auch kein Wunder, dass ich mich den Kurzgeschichten der Lunar Chronicles Reihe mal widmen musste. Ich gebe zu, es ist keine Überraschung, dass ich beide Novellas einfach wundervoll fand. 


Glitches (Lunar Chronicles #0.5):

Diese Geschichte spielt also vor Cinder, um genau zu sein 5 Jahre. Zu dem Zeitpunkt kommt Cinder in ihre neue Familie, lernt Iko, Peony, etc kenne, hört das erste Mal von Prince Kai und vor allem - sie entdeckt ihre Begabung als Mechaniker!
Ich liebe alles, was mit Cinder zu tun hat und ich fand es so interessant, ihre ersten Woche/Tage in New Bejing zu beobachten. Ihre Operation ist noch gar nicht lange her und sie fühlt sich in ihrem Cyborgkörper noch ganz unsicher. Es war so ein Gegensatz zu der Cinder aus dem ersten Buch, weil sie sich da schon so an das Cyborgsein gewöhnt hat.
Außerdem sieht man auch die Beziehung zwischen Adri und Cinder und auch, warum sie ihr gegenüber oft so kalt und herzlos ist. Nicht, dass ich Adri verstehe oder sogar mag, aber auch sie hat ihre Gründe für den Hass auf Cinder. 
Besonders gut fand ich, dass Garan vorgekommen ist, weil man den in Cinder nicht ganz greifen kann. Klar, er ist tot, aber auch in Cinders Erinnerungen konnte ich mir nie ein richtiges Bild von ihrem Adoptivvater machen. 


The Queen's Army (Lunar Chronicles #1.5):

Ohmeingottdiebestenovelladieichjegelesenhabe. Wirklich. 
Vermutlich hängt das damit zusammen, dass ich die Hauptperson am liebsten heiraten möchte.
Nach zwei Seiten war ich schon komplett in der Geschichte drin (Was ein Name alles ausmacht. Ze'ev...) und so gespannt und aufgeregt, was alles noch vorkommen würde. Es hat mich wirklich, wirklich sehr interessiert, was es mit diesen Mutationen von Levana auf sich hat und in dieser Kurzgeschichte geht es nur darum, wie es hinter den Kulissen abläuft! 
Es war so toll zu sehen, wie es in einem "Rudel" abläuft und auch das Verhältnis zwischen Z und seinem Bruder wurde ein wenig beleuchtet, darüber erfährt man nämlich nicht so viel in Scarlet.
Überhaupt, wenn man Scarlet schon gelesen hat und weiß, wie Z am Ende ist und ihn dann in The Queen's Army sieht - so eine Charakterentwicklung! Zum positiven, natürlich. 
Obwohl man auch hier schon sehen konnte, dass er nicht ganz so animalisch ist, wie die anderen "Wölfe".
Ich weiß nicht, ob ich es bereue oder gut finde, dass ich diese Kurzgeschichte erst nach Scarlet gelesen habe. Einerseits ist es dazu gedacht, DAVOR gelesen zu werden, andererseits habe ich es viel mehr genossen, weil ich Scarlet schon kannte. Um ehrlich zu sein bin ich mir auch nicht sicher, ob ich die Novella genauso geliebt hätte, wenn ich nicht gewusst hätte, welche Rolle Z noch spielt.

Alles was Marissa Meyer schreibt ist Gold wert und diese Novellas bilden da keine Ausnahme. Ich habe beide verschlungen, besonders aber The Queen's Army. Ich hoffe unständig, dass sie noch weitere Kurzgeschichten zur Reihe schreibt.
Trotzdem tue ich mich ein bisschen schwer damit, Kurzgeschichten mehr als 4 Herzen zu geben, weil ich finde, das ist 'richtigen' Bücher ungerecht gegenüber. Wäre The Queen's Army ein bisschen länger gewesen, hätte es 4,5 bekommen, aber so gibt es für beide 4. (Es ist trotzdem die beste Novella die ich je gelesen habe.)


Freitag, 27. September 2013

Rezension: Prodigy


Titel:
Legend - Schwelender Sturm
(Prodigy)

Autor:
Marie Lu

Verlag:
Loewe

Seitenzahl:
442

Preis:
17,95€
 Der Zweck heiligt die Mittel, oder? Den einen Menschen loszuwerden, der die Verantwortung für dieses ganze verfluchte System trägt, scheint mir ein ziemlich kleiner Preis dafür zu sein, eine Revolution in Gang zu setzen.
Auf der Flucht vor der Republik schließen sich June und Day den Patrioten an, um Days Bruder zu retten und in die Kolonien zu entkommen.
Doch die Patrioten fordern eine Gegenleistung: June und Day sollen Anden, den neuen Elektor, töten. Eine Tat, die all dem Unrecht und der brutalen Unterdrückung ein Ende bereiten könnte.
Als June jedoch begreift, dass der neue Elektor ganz anders ist als sein Vorgänger, beginnt sie zu zweifeln:
Was, wenn Anden einen neuen Anfang darstellt?
Was, wenn politische Veränderung nicht unbedingt Tod, Vergeltung und Gewalt bedeuten muss?
Was, wenn die Patrioten falsch liegen?
"Too bad I got stuck with such an ugly sidetrack."
I hold both hands in mock defense. "Too bad I got stuck with such a liar."
~ page 82 DAY

My mind starts spinning. I could stay here in the Republic and help Anden. Become a Senator when I'm old enough. Get my life back. Leave Day behind with the Patriots. I know how selfish this thinking is, but I can't stop myself. What's wrong with being selfish, anyway?
~ page 220 JUNE
Also bitte?! Ich hatte nicht vor bei dieser Reihe aufs Englische umzusteigen, aber als dieses Cover rausgekommen ist, musste ich das einfach machen. An sich ist es vielleicht gar nicht so hässlich, aber ich finde es beinahe schon albern für dieses Buch. Es ist immerhin ROSA!
Mit dem Titel kann ich mich auch gar nicht anfreunden. Wenn man den Titel des ersten Teils schon übernimmt, warum dann nicht auch den zweiten? Und diese Untertitel passen wirklich nicht.
Da bin ich mit meinen englischen Ausgaben schon sehr zufrieden.

Legend war ja wirklich nicht schlecht, aber Prodigy . . . Prodigy war beeindruckend! Ich hatte mich ziemlich auf das Buch gefreut, aber gleichzeitig hab ich auch ein bisschen befürchtet, dass es mir nicht so gut gefallen könnte, wie all den anderen begeisterten Lesern. Wirklich, dieser zweite Teil hat die Legend-Reihe zu einer meiner Lieblingsreihen gemacht!

Prodigy fängt nicht unmittelbar nach Legend an, aber es gibt zwischen den beiden Büchern inhaltlich nur eine kurze Pause. Da Day und June zwei meiner allerallerliebsten Charaktere in der gesamten Bücherwelt sind, konnte ich mich auch sofort wieder in beide hineinversetzten. Ich weiß nicht, wie Marie Lu es schafft, dass ich beide einfach so sympathisch und authentisch finde, ich mich so in sie hineinversetzten kann und so interessiert an ihren Schicksalen bin - aber egal was es ist, ich bin froh, dass sie es macht!
Sowohl Day als auch June sind so aufmerksam und wenn man es so sagen kann auch talentiert: June durch ihre Militärausbildung und Day durch seine Erfahrungen auf der Straße. In Actionszenen kommt es selten vor, dass einer von beiden mal nicht weiß, was er zu tun hat und alle Wendepunkte der Handlung hängen nicht wirklich mit der Unbedarftheit von Day oder June zusammen. 
Vielleicht mag ich die beiden genau deshalb so gerne: Beide scheinen "perfekt" und sind aber trotzdem noch so jung und verletzlich. Nur, dass sie sie sich das selber nicht eingestehen wollen, weil sie so dickköpfig sind. Selbst die dadurch resultierenden Streits frustrieren mich nicht im negativen Sinne, weil man beide Standpunkte irgendwie nachvollziehen kann. 
Ich glaube, Days und Junes einzige Fehler sind ihre Gefühle. Denn beide, besonders June, sind relativ berechnend (ich weiß nicht genau, wie ich das ausdrücken soll, aber sie könne gut einen klaren Kopf behalten), aber wenn es um etwas geht hinter dem sie voll und ganz stehen, was sie lieben oder hassen, lassen sie sich doch auf Dinge ein, die nicht das Beste für sie selbst sind.

Während ich fand, dass Legend noch beinahe einen fröhlichen Unterton hatte (Es war an sich relativ leicht aufgebaut und geschrieben, selbst wenn Junes Bruder stirbt usw.) wird Prodigy sehr viel ernster und auch düsterer. Es geht vielmehr um die Politik und den Staat als "nur" um einen Kriminellen, der aufgespürt werden soll. Was mir daran so gut gefallen hat war, dass man auch etwas vom Rest der Welt sieht. Wie oft hat man eine Dystopie, die nicht einmal mit einem Wort andere Länder erwähnt? Ziemlich oft. Leider. 
Im Buch gibt es eine Stelle, in der sich Day eine komplette Weltkarte anschaut und erklärt bekommt, wie die Republik überhaupt zu dem geworden ist was sie jetzt ist. Auch international gesehen! Und die Erklärung, wie es überhaupt zur Teilung von Amerika gekommen ist, war so plausibel; ich denke, zu einem gewissen Teil könnte es wirklich irgendwann so kommen.

Dieses Buch ist ein ständiges Hin und Her. Wenn ihr es gelesen habt, dann wisst ihr auch wie sehr es hin und her geht. Dadurch ist die Spannung für mich nie abgebrochen, weil es immer etwas Neues zu erleben gab und ständig neue Informationen dazu gekommen sind. Andererseits verstehe ich auch, wenn manche es vielleicht ein wenig sinnlos finden könnten, wenn die Protagonisten von einem zum anderen Ort hetzten.

Auch interessant für mich waren die Liebesdreiecke, die sich auf beiden Seiten erahnen lassen, aber nicht wirklich verfolgt werden. Erstens das und zweitens, dass es eben nicht nur June ist, die plötzlich einen zweiten Love Interest hat, fand ich toll! Tess wird dadurch teilweise nervig, aber ich mochte es trotzdem, dass sie Day noch mehrmals aufzeigt, was June in seinem Leben 'angerichtet' hat.

Ich glaube, wenn man dieses Buch gelesen hat kommt man nicht darum herum, etwas zum Ende zu sagen. Ich persönlich liebe das Ende, denn es lässt einen zurück, wie jedes gute Buch es schaffen sollte: mit dem Wunsch nach mehr - sofort. Sicherlich ist es kein sehr fröhliches Ende, aber das macht mir in einem zweiten Teil noch nicht so viel aus. Auf jeden Fall bin ich jetzt schon so gespannt auf Champion und ich kann mir nicht vorstellen, wie diese Reihe noch Happy Enden kann.
Prodigy lässt einen atemlos zurück, mit dem Verlangen Band drei endlich in den Händen zu halten. Marie Lu konnte mich vollkommen überzeugen und ich habe mich so wohl in diesem Buch gefühlt, dass ich danach gleich noch Legend rereaden musste.
Day und June werden wahrscheinlich für immer meine Lieblingscharaktere bleiben und ich kann es kaum erwarten, sie endlich wieder zu sehen.

Sonntag, 25. August 2013

Rezension: Scarlet

Titel:
Scarlet

Autor:
Marissa Meyer

Verlag:
Feiwel and Friends

Seitenzahl:
457

Preis:
13,00€

Zwei ganze Wochen ist Scarlets Großmutter nun schon verschwunden. Entführt? Tot? Die Leute im Dorf sagen, sie sei sicher abgehauen. Sie sei ja sowieso verrückt. Aber für Scarlet ist Grandmère alles – von ihr hat sie gelernt, wie man ein Raumschiff fliegt, Bio-Tomaten anbaut und seinen Willen durchsetzt. Dann trifft Scarlet einen mysteriösen Straßenkämpfer – Wolf. Er fasziniert sie; doch kann sie ihm trauen? Immerhin: Die reißerischen Berichte über Cinder und das Attentat auf Prinz Kai hält Wolf ebenso wie sie für Quatsch. Aber irgendein Geheimnis verbirgt der Fremde …

"So," she said, disrupting Wolf in another backward glance. "Who would win in a fight - you or a pack of wolves?"
He frowned at her, all seriousness. "Depends," he said, slowly, like he was trying to figure out her motive for asking. "How big is the pack?"
"I don't know, what's the normal? Six?"
"I could win against six," he said. "Any more than that and it could be a close call."
Scarlet smirked. "You're not in danger of low self-esteem, at least." [...] "How about you and ... a lion?"
"A cat? Don't insult me."
~ page 202

"Wolf." Her tongue was parched. She tried to wet her dry lips and tasted blood. "What have they done to you?"
"You." The ward was spat out at her, full of hatred. "What have you done to me?" 
~ page 391
Nachdem mich das Ende von "Cinder" völlig überrascht und aus dem Nichts getroffen hat, war ich ganz aufgeregt endlich zu erfahren wie es weiter geht; endlich Scarlet zu lesen. Und ich kann euch versichern, Scarlet steht Cinder in nichts nach! Ich finde sogar, es ist besser als noch Band eins.

Das erste was mir aufgefallen ist waren die vielen verschiedenen Perspektiven. 
Da die Bücher keine alleinstehenden Geschichten sind oder zumindest Cinders nicht abgeschlossen ist, gibt es immer noch Kapitel aus ihrer Sicht. Allerdings gibt es eine neue Protagonistin, nämlich Scarlet, die natürlich auch ihre eigene Perspektive hat. Neben den beiden gibt es auch Kapitel aus Kais, Wolfs, Thorne und das ein oder andere Mal aus Levanas Sicht. 
Dadurch kann die Handlung viel komplexer werden, als vielleicht noch in Cinder und das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Die vielen verschiedenen Blickwinkel die man auf bestimmt Dinge bekommt haben das Buch so lebendig wirken lassen. 
Kai macht sich Gedanken über Cinder und den Krieg mit Luna. Cinder versucht aus dem Gefängnis auszubrechen und lernt dabei Thorne kennen. 
Scarlet sucht nach ihrer entführten Großmutter und Wolf...Wolf ist ein einziges großes Geheimnis. 

Scarlet ist mir sofort ans Herz gewachsen und ich liebe ihre eigenwillige Art und Temperament. Ich finde, sie ist in vielen Aspekten anders als Cinder und es freut mich, dass Marissa Meyer ihre Kreativität unter Beweis stellt. 
Während Cinder eher ruhig, zurückhaltend und rational denkend ist, handelt Scarlet impulsiver und denkt manchmal (leider) nicht über Konsequenzen nach.
Sie ist fest davon überzeugt, dass ihre Großmutter entführt wurde und obwohl das ungewiss ist, ist sie mutig genug, nach ihr zu suchen.

Ich mochte Scarlet so gerne und habe ihre Kapitel jedes Mal genossen, es hab mich beinahe genervt, wenn die Perspektive zu Cinder gewechselt ist. Das lag nicht daran, dass ich Cinder weniger mochte oder ihre Storyline langweilig war, aber ich konnte einfach nicht genug von Scarlet haben, besonders nachdem sie Wolf kennengelernt hat. 

Womit man bei Wolf wäre. Ich muss gestehen, ich hab mich schon ein bisschen in ihn verliebt ;)
Wolf ist dieser wirklich mysteriöse Mann, über den man kaum etwas weiß, aber irgendetwas an diesem Straßenkämpfer zieht einen magisch an. Er ist so stark und stolz, aber in der Gegenwart von Scarlet wird er auch schnell unsicher und zeigt eine liebenswerte Seite.

Als neuer Charakter wird auch Thorne eingeführt, der mit Cinder zusammen flieht und er ist so ein witziger, ein bisschen selbstverliebter Charakter gewesen, dass ich oft Lachen musste. Es war auch schön zu beobachten, wie Cinder und er mit der Zeit Freunde werden und füreinander ihr Leben riskieren. 

Ebenfalls beeindruckend fand ich, was Marissa Meyer aus dem Rotkäppchen Märchen gemacht hat, was ich kenne. Auf meiner Ausgabe des Buches steht "Das ist nicht das Märchen, an das du dich erinnerst. Aber eines, das du nicht vergessen wirst." und genau das ist es! Im Vergleich zu Cinder gibt es viel weniger auffällige Parallelen zwischen Märchen und Neuerzählung, aber es ist so gut gemacht, man fliegt förmlich durch das Buch. Wie verschiedenen Aspekte des Märchens ausgelegt wurden und letztendlich alles ein rundes Bild ergibt war sehr gelungen.
Es gibt einige Wendungen, die mich wirklich überraschen konnten, wütend gemacht haben und bei denen ich beinahe die Hoffnung auf ein Happy End verloren habe.

Auf den letzten Seiten hatte ich ein bisschen Angst, dass nur Cinder diejenige sein wird, die in jedem Buch vorkommen wird, da Scarlets Geschichte eigentlich abgeschlossen war. aber wie sich herausgestellt hat, werden Wolf und Scarlet auch noch in Cress vorkommen, was mich gleich viel glücklicher und aufgeregt auf Cress macht.
Scarlet ist ein wahnsinnig tolles Buch und ist jetzt schon eines meiner Jahreshighlights. 
Marissa Meyer schafft mit ihrem wunderbaren Schreibstil eine Welt zwischen Märchen und Science Fiction, in die ich schon in Cinder versinken konnte, jetzt aber noch weiter ausgebaut und gezeigt wird. 
Scarlet und Wolf sind zwei meiner neuen Lieblingsprotagonisten und ihre Beziehung zueinander war herzerwärmend. 
Trotz der Spannung und einiger unerwarteter Wendungen fehlt es dem Buch auch nicht an lustigen Stellen, besonders durch Thorne.
Ich kann es kaum abwarten, bis Cress endlich im Februar erscheint und ich die Reise von Cinder, Thorne, Wolf und Scarlet weiterverfolgen kann!


Dienstag, 13. August 2013

Rezension: Dark Destiny

Titel:
Dark Destiny

Autor:
Jennifer Benkau

Verlag:
script5

Seitenzahl:
464

Preis:
18,95€



Hilflos musste Joy mit ansehen, wie Neél von ihren eigenen Leuten gefangen genommen und gefoltert wurde. Ihre große Liebe, all ihre Hoffnungen und Zukunftspläne zersplittern zu einem Scherbenhaufen, als sie schließlich von Neéls Tod erfährt. Trotz ihrer unendlichen Trauer fasst Joy einen folgenschweren Entschluss: Sie will nicht länger zu Matthials Clan gehören. Also macht sie sich allein und schlecht ausgerüstet auf den Weg durch Bomberland und von feindlichen Clans besetztes Gebiet. Es ist eine Suche nach Antworten: Wie starb Neél? Und warum? Doch es ist auch eine Suche, an deren Ende Hoffnung steht. Hoffnung auf eine zweite Chance.
"Wenn du mich je verlässt, dann lass mich mit dir kommen"
- Seite 308

"Wenn man etwas wirklich will, muss man dafür oft einen hohen Preis zahlen. Kleider und Waffen bezahlt man mit Münzen. Mit demjenigen zusammen zu sein, den man liebt, bezahlt man mit begrabenden Träumen"
-Seite 321

Auch hier passen Cover und Titel wieder super zum Buch. Dark Canopy über Joy, aber der freier Himmel und das Meer sind zu sehen und versprechen Hoffnung.
Ach, es ist so schön und traurig zugleich!



Wie soll ich eine Rezension zu diesem Buch schreiben? Zu einem Buch, was mich so sehr bewegt hat; mich so gefangen und gefesselt hat? Zu einem Buch, was mich nur bei der Erinnerung zum Verzweifeln bringt? Ein Buch, was ich so sehr liebe und auf immer eines meiner Lieblingsbücher sein wird?
Denn „Dark Destiny“ ist all das. Eines der besten Bücher das ich je gelesen und mit Sicherheit noch mehrmals zur Hand nehmen werde. Es hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht; glücklich gemacht und verstört. Jede Seite habe ich genossen, jedes Wort geliebt. 
Wie fange ich eine Rezension für so ein Buch also an? Wie finde ich die passenden Worte um ihm gerecht zu werden?
Ich habe Dark Destiny vor ungefähr drei Monaten gelesen. An einem einzigen Tag habe ich es verschlungen und konnte es nicht aus der Hand legen. Seitdem überlege ich, wie ich diese Rezension schreiben soll und befürchte schon, dass ich alles Wichtige vergessen habe. 

Von der ersten Seite an hatte ich Angst vor dem Ende. Ich musste nur den Prolog lesen um völlig verzweifelt wegen des Endes zu sein.

Als das Buch beginnt befinden wir uns auch einer Achterbahn, zusammen mit Joy. Immer wieder erfährt sie, dass Neèl angeblich tot ist, nur um später von jemand anderem zu erfahren, dass er noch lebt. Dann ist er wieder tot, dann lebt er wieder. 
Schon hier weiß man nie was man denken soll und ähnlich wie Joy will man einerseits nicht glauben, dass er gestorben ist und sich andererseits auch nicht vorstellen, was ihm allen noch angetan werden kann, wenn er nicht tot ist. Letztendlich will man nur Gewissheit.

Joy ist eine dieser Protagonisten, die ich nur bewundern kann. Sie lässt sich wenn es darauf ankommt nie von ihren Gefühlen übernehmen und versucht stets rational und beherrscht zu sein. Sie ist so stark und beeindruckend. Andererseits hat sie auch ihre Fehler, zum Beispiel, dass sie sich schlecht einordnen kann und manchmal ein wenig zu impulsiv ist.

Ich hatte schon am Ende von Dark Canopy die unangenehme Vorahnung, dass Joy vielleicht den Großteil des Buches alleine durch die Welt wandern würde, auf der Suche nach Neèl. Und sie ist auch lange auf der Suche nach ihm, aber die Seiten sind nur so dahingeflossen. 
 Mit Joy und Neèl als Protagonisten habe ich nie das Gefühl von Langeweile. Beide haben eine solche Gedankenwelt, die mich fesselt und beide lieben lässt. 

Natürlich hängt das auch mit Jennifer Benkaus unbeschreiblichen Schreibstil zusammen, der es selbst in ruhigen Momenten schafft, meine Augen an die Seiten zu fesseln. 
Eigentlich empfinde ich ihren Schreibstil nicht als poetisch und trotzdem gibt es einige Sätze, die ich für immer behalten möchte. Ihre Sätze strahlen immer eine solche Ruhe aus, ohne langatmig zu sein, und es stresst einen nicht, actionreichere Szenen zu lesen. Dafür hat man das Gefühl, den genauen Überblick über die Situation zu haben.

Ich konnte mir nicht vorstellen, was genau in Dark Destiny passieren sollte, denn obwohl Dark Canopy zwar mit einer ziemlich fiesen Situation geendet hat, war ich mir trotzdem nicht sicher, ob Teil zwei gut daran anknüpfen könnte.
Allerdings hat Jennifer Benkau es geschafft, für jedes Buch einen eigenen Handlungsbogen zu schaffen und gleichzeitig noch einen größeren, der sich über beide Bücher erstreckt.

In Dark Destiny geht es nicht ganz so actionreich zu, wie noch im Buch zuvor. Vielmehr geht es um Joy und Neèl in ihrer Beziehung und um die Gesellschaft um sie herum.
Letztendlich geht es ums Überleben, aber nicht so wie noch in Dark Canopy; nicht so unausweichlich.
Dafür spielt die Politik und das System eine größere Rolle und die schleichende Bedrohung, die beides für Joy und Neèl darstellt.

 Ich mochte es hier sehr gerne, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht beschönigt wurden, nur weil die zwei wieder zusammen sind. Trotzdem sie einander wieder gefunden haben und darüber glücklich sind, ist die Welt dadurch eben nicht gleich ein besserer Ort. Es gibt immer noch andere Probleme und man merkt, dass beide nie vollkommen glücklich sein können, obwohl sie einander haben. In gewisser Weise schränkt das die beiden sogar ein und macht sie verletzlich. So sehr ich die beiden als Paar liebe, eigentlich ist sie nicht gut für sie.
Diese Lage spitzt sich bis zum Schluss zu und führt letztendlich zu einem spektakulären Ende.

Wenn ich jetzt, ungefähr ein viertel Jahr später, an das Buch denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut und dieses furchtbare Gefühl der Verzweiflung.
Noch immer, fühle ich diese Ungerechtigkeit und Trauer und das ist seltsam, denn eigentlich sind es doch nur Worte. Aber die Geschichte hat mich so vereinnahmt, dass ich immer noch daran hänge. Und um ehrlich zu sein denke ich, dass ich noch mein ganzes Leben daran hängen werde.
Selbst das Ende ist ein einziges Auf und Ab der Gefühle. Ständig wechseln sich Erleichterung und Spannung ab und nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, konnte ich nicht glauben, dass es wirklich vorbei ist.
Ich hätte bei dieser Geschichte kein Problem damit gehabt, wenn sie noch 1000 Seiten mehr gehabt hätte.
Das Ende hat mich emotional ziemlich zerstört und aufgekratzt; ich glaube, ich hab lange nicht mehr so seht bei einem Buch geweint.


Dark Destiny war wahnsinnig schön und traurig; ich liebe es und ich hasse es.







Ein letztes noch.


Sonntag, 2. Juni 2013

Rezension: Dark Canopy

Titel:
Dark Canopy

Autor:
Jennifer Benkau

Verlag:
script5

Seitenzahl:
524

Preis:
18,95€







Die Percents, für den dritten Weltkrieg geschaffene Soldaten, haben die Weltherrschaft übernommen und unterjochen die Menschen. Rebellenclans versuchen, außerhalb des Systems zu überleben. Mit ihnen kämpft die 20-jährige Joy gegen das Gewaltregime. Doch dann fällt sie dem Feind in die Hände und muss feststellen, dass sich auch unter den vermeintlichen Monstern Menschlichkeit findet. Und sogar noch mehr.

 "Du solltest das Brot aufessen, bevor es kalt wird. Ich geb noch nicht auf. Du kannst hierbleiben. Bei mir."
Er kämpfte noch immer um mich und meine Entscheidung. Er kämpfte mit süßem weißem, watteweichem Maisbrot, das geschmolzene, salzige Butter aufgesogen hatte, und er kämpfte mit Küssen, die mich betrunken machten, mit klebrig, zuckrigem Wein aus Zimt und Pflaumen und mit seinen groben Händen an den empfindlichsten Stellen meines Körpers.
"Wir sehen uns wieder", sagte ich - es machte nun keinen Unterschied mehr, ob ich log oder nicht. Die Lüge  ermöglichte uns eine letzte, kurze, fast unbeschwerte Nacht. Morgen würde sowieso alles vorbei sein.
"Im Mondlicht, ja."
-Seite  478

Matthial unterbrach mich, indem er mein Gesicht streichelte, als wäre ich schwer verletzt. "Du redest wirr."
Ich wollte rufen: Natürlich tue ich das. Gefühle sind wirr, wer sie in einfachen Worten beschreibt, hat sie nicht verstanden. 
Stattdessen sagte ich: "Ist das nicht seltsam? Mir kommt es vor, als würde ich nach langer Zeit endlich klar sehen."
-Seite 518





Genial! So Genial!
Das Cover ist wunderschön und passt perfekt. Dark Canopy, der sich über dem Bomberland ausbreitet - großartig!
Und der Titel? Ja, auch der dürfte kein anderer sein!







Dieses. Buch. Ist. Der. Wahnsinn.
Es ist schon so lange her, dass ich Dark Canopy und sogar Dark Destiny gelesen habe und ich konnte mich einfach nicht dazu bringen, eine Rezension zu schrieben. Tatsache ist, dass ich diese Bücher liebe. Sie gehören ab jetzt zu meinen Lieblingsbüchern und ich kann euch versichern, dass ich sie noch mehrmals lesen werden.

Angefangen mit der dystopischen Welt, die Jennifer Benkau schafft. Was mich wundert und fast erschreckt ist, dass sie eigentlich gar nicht so abwegig klingt. Dass es irgendwann zu einem dritten Weltkrieg kommen wird, ist klar. Und auch, dass genetische Experimente irgendwann auch bei Menschen gemacht werden, ist nicht unrealistisch.
Die Welt von Joy ist sehr düster (im wahrsten Sinne des Wortes), aber das hat mich nicht abgeschreckt, sondern neugierig gemacht.

Jennifer Benkau bekommt es sowieso wahnsinnig schnell hin, dass man im Buch drin ist. Obwohl ich die ersten 100 Seiten nahezu in Unwissenheit war und manche Stellen mir sehr verwirrend vorkamen, konnte ich das Buch trotzdem nicht aus der Hand legen. Nein, ich habe es sogar beinahe in einem Tag durchgelesen! Der Schreibstil ist so schön und poetisch, aber nicht kitschig.

Joy und Neél sind die beiden Protagonisten im Buch und natürlich kommen die beiden zusammen.
Trotz dieses Wissen von der ersten Sekunde, habe ich ihre Beziehung geliebt! Sie entwickelt sich so schön und realistisch, blüht immer mehr auf, bis Joy und Neél nicht mehr Mensch und Percent sind, sondern einfach zwei Personen, die sich lieben.

Joy hat mir super gefallen. Sie ist so stark und reif! Ich denke, es war sehr gut, sienicht als 16-jähriges Mädchenauftreten zu lassen, sondern als junge Frau, weil das in dieser Welt viel authentischer ist.
Ich bewundere Joy auf viele Weisen, aber vor allem für ihre aufopferungsvolle Art, die nie übertrieben wirkt. Sie setzt ihre Prioritäten sehr gut, bleibt dabei aber immer sehr sachlich und nicht zu waghalsig, dass es naiv wirkt. Joy ist niemand, die ihr Leben mal mir nichts, dir nichts wegwirft, weil sie so einen Drang nach Selbstopferung hat. Man merkt, dass sie Leben will und das mit allen Mitteln.

Neél ist ein Percent. Was das genau ist, weiß man relativ lange nicht, aber genau das mochte ich. Da Joy nicht wirklich weiß, was Percents sind, weiß das auch der Leser nicht, bis es Neél ihr erklärt.
Ach Neél - wo soll ich nur anfangen?
Er ist so ein vielschichtiger Charakter, der eindeutig Fehler hat, aber genau diese machen ihn liebenswert. Auf den ersten Blick scheint er unnahbar und herzlos, und das ist er später auch noch. Aber gleichzeitig wird er zum Beispiel von manchen Percents selber nicht akzeptiert, weil er anders ist.
Neél ist kalt, liebevoll, witzig, ehrgeizig, ernst...und jede dieser Facetten zeigt er im Buch und gegenüber Joy.
Natürlich hat sie unter ihm zu leiden, aber dieses Leiden verwandelt sich in Verstehe und das ist der erste Schritt den sie gehen müssen.

Ich mochte es, wie Jennifer Benkau es schafft, die Welt der Percents nicht ganz so kalt erschienen zu lassen, wie man sie sich zuerst vorstellt. Mit de Zeit lernt man, dass auch Percents Gefühle haben und nicht alle identisch sind.

Es gibt viele Bücher, bei denen es um zwei Liebende einer anderen "Spezies" geht, aber kaum eine geht mir so nahe wie Joy und Neél. Es ist die Art, wie sie sich einander annähern und langsam ihre Vorurteile ablegen. Beide entwickeln sich durch den anderen halten aber immer noch an ihren Idealen fest. Ihre Beziehung ist hart, aber sie ist dieser keine Lichtfunke in dieser dunklen Welt.
Joy und Neél finden Wärme und Freunde an einem Ort, an dem es so etwas überhaupt nicht mehr zu geben scheint und entfliehen so der Realität.

Mich hat das Buch wirklich zum Nachdenken gebracht.
Wie weit gehen wir noch mit den ständigen Kriegen? In wie weit ist unsere heutige Wissenschaft und die Fortschritte, die sie macht wirklich gut?
Und obwohl es ziemlich ernst ist, konnte ich an manchen stellen trotzdem herzlich lachen! Wie Neél und Joy miteinander umgehen, besonders in der Anfangszeit (wenn sie sich aber trotzdem nicht mehr hassen), war ironisch und zynisch.

Das Ende. Wie kann man einen Menschen nur so quälen?!
Und damit meine ich nicht nur mich sondern auch...naja, halt eine andere Person. Das Ende von Dark Canopy ist großartig - ich persönlich bin aber auch leicht masochistisch, wenn es um Bücher geht. Auf jeden Fall konnte ich das Buch bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legen und nachdem ich den letzten Satz gelesen habe, wusste ich schon, dass ich Dark Destiny haben musste.

So ist das also. Lest einfach das Buch.

Handlung: ♥♥♥♥♥ (5/5)
Schreibstil: ♥♥♥♥♥ (5/5)
Charaktere: ♥♥♥♥♥ (5/5)
Spannung: ♥♥♥♥♥ (5/5)
Humor: ♥♥♥♥ (4/5)
Tiefgang: ♥♥♥♥♥ (5/5)






Dark Canopy ist eine der besten Dystopien, die ich je gelesen habe und ich bin mir sicher, dass ich es noch mehrmals lesen werde.
Es hat einfach alles, was man von einer guten Dystopie - nein, von einem guten Buch - will: tolle Handlung mit Überraschungen, glaubwürde Charaktere, Sapnnung, eine interessante, originelle Zukunftsvision und trotzdem noch Humor und Tiefgang!
Ich liebe diesen Buch so sehr und konnte es kaum abwarten, Dark Destiny zu lesen. Sogar drei Tage warten war fast zu viel für mich!